Article
Krill in Produkten: Gefahr für unsere Ozeane
Dienstag, 21 Apr, 2026
Krill im Visier: Wie industrielle Überfischung das Gleichgewicht der Ozeane gefährdet
Krill ist kaum größer als ein Fingernagel – und doch gehört er zu den wichtigsten Lebewesen unseres Planeten. Millionen Tonnen dieser kleinen Krebstiere schwimmen in den kalten Gewässern der Antarktis und bilden die Grundlage eines gesamten Ökosystems.
Trotzdem wird Krill zunehmend industriell gefischt – für Produkte, die viele Menschen täglich konsumieren, oft ohne es zu wissen.
Dieser Beitrag zeigt dir, wofür Krill verwendet wird, warum das problematisch ist und welche Alternativen es gibt – und was du selbst tun kannst, um etwas zu verändern.
Krill ist eines der wichtigsten Lebewesen unserer Ozeane – und gleichzeitig eines der am meisten unterschätzten. Diese winzigen, garnelenähnlichen Krebstiere leben in gigantischen Schwärmen in den kalten Gewässern der Antarktis und bilden dort das Fundament eines gesamten Ökosystems. Wale, Pinguine, Robben und unzählige Fischarten sind direkt von Krill abhängig. Ohne ihn würde dieses empfindliche Gleichgewicht zusammenbrechen.
Trotz dieser zentralen Rolle wird Krill heute in großem Stil industriell gefangen – vor allem für Produkte, die auf den ersten Blick nichts mit dem Meer zu tun haben.
Wofür wird Krill verwendet?
Der Hauptgrund für die industrielle Nutzung von Krill liegt in seinen Inhaltsstoffen. Krill enthält Omega-3-Fettsäuren (EPA und DHA), hochwertige Proteine sowie Antioxidantien wie Astaxanthin. Genau diese Kombination macht ihn für verschiedene Industrien interessant.
Besonders in der Nahrungsergänzungsmittelbranche wird Krillöl als Alternative zu Fischöl vermarktet. Es soll Herz, Gehirn und Gelenke unterstützen und wird häufig in Kapselform angeboten. Darüber hinaus findet Krill auch Verwendung in der Futtermittelindustrie, insbesondere in der Aquakultur, wo er als Bestandteil von Fischfutter eingesetzt wird. Auch in Tiernahrung oder vereinzelt in kosmetischen Produkten taucht Krill bzw. Krillextrakt auf.
In welchen Produkten steckt Krill – und wie erkenne ich ihn?
Viele Konsument:innen wissen nicht, dass sie überhaupt Produkte mit Krill kaufen. Einer der wichtigsten Schritte ist daher, Krill in der Zutatenliste richtig erkennen zu können.
Krill taucht unter verschiedenen Bezeichnungen auf, darunter:
- Krill
- Krillöl
- Krill oil
- Antarctic krill oil
- Euphausia superba (wissenschaftlicher Name)
- Krill-Extrakt Marine phospholipids (aus Krill gewonnen)
- Omega-3 aus Krill
- Phospholipid-Omega-3 (Krillquelle angegeben)
- in seltenen Fällen auch einfach als „marine Lipids“ mit Hinweis auf Krill
Gerade der wissenschaftliche Name Euphausia superba wird häufig verwendet, um die Herkunft weniger offensichtlich zu machen. Ein genauer Blick auf die Verpackung lohnt sich daher immer – insbesondere bei Omega-3-Produkten, Fischöl-Alternativen oder „hochwertigen“ Nahrungsergänzungsmitteln.
Warum ist Krillfang so problematisch?
Die industrielle Nutzung von Krill hat weitreichende Folgen für das gesamte Ökosystem Antarktis. Krill ist nicht einfach nur eine Ressource – er ist die zentrale Nahrungsgrundlage vieler Tierarten. Die großflächige Entnahme von Krill entzieht vielen Meerestieren ihre zentrale Nahrungsquelle und bringt das ökologische Gleichgewicht aus dem Lot.
Hinzu kommt, dass der Lebensraum von Krill bereits stark unter Druck steht. Der Klimawandel verändert die Meereisbildung in der Antarktis massiv – und genau dieses Eis ist entscheidend für die Fortpflanzung und Entwicklung von Krill. Die Kombination aus steigenden Temperaturen und industrieller Fischerei verstärkt die Belastung zusätzlich.
Obwohl Krillfang häufig als „nachhaltig“ beworben wird, gibt es zunehmend Kritik an diesen Aussagen. Wissenschaftliche Stimmen und Umweltorganisationen weisen darauf hin, dass die tatsächlichen Auswirkungen auf das Ökosystem noch nicht vollständig verstanden sind und deutlich unterschätzt werden könnten.
Welche Alternativen gibt es?
Eine der wichtigsten Alternativen zu Krillöl ist Algenöl. Algen sind die ursprüngliche Quelle der Omega-3-Fettsäuren – nicht Krill oder Fisch. Das bedeutet: Krill und Fische nehmen Omega-3 letztlich über den Verzehr von Mikroalgen auf.
Algenöl ist damit der direktere und ökologisch sinnvollere Weg, Omega-3-Fettsäuren zu gewinnen. Es ist pflanzlich, frei von Überfischung und kommt ohne Eingriffe in empfindliche marine Ökosysteme aus.
Auch pflanzliche Lebensmittel wie Leinöl, Chiasamen oder Walnüsse liefern wertvolle Omega-3-Fettsäuren (ALA), die der Körper teilweise selbst umwandeln kann.
Was kannst du persönlich tun?
Ein großer Teil der Veränderung beginnt im Alltag. Wer bewusst einkauft, kann einen direkten Einfluss auf die Nachfrage haben. Es lohnt sich, Zutatenlisten genau zu prüfen und gezielt nach Krill, Krillöl oder „Euphausia superba“ Ausschau zu halten.
Gleichzeitig hilft es, auf Alternativen wie Algenöl zu setzen und Produkte zu wählen, die ohne marine Tierbestandteile auskommen. Auch das Gespräch mit anderen Menschen oder das Teilen von Informationen trägt dazu bei, Bewusstsein zu schaffen.
Wie kann man Unternehmen zum Umdenken bewegen?
Veränderung in globalen Lieferketten beginnt selten von selbst – sie entsteht dort, wo Bewusstsein auf Druck trifft. Unternehmen reagieren vor allem auf öffentliche Nachfrage, klare Signale von Konsument:innen und zunehmende Transparenz entlang der Lieferkette.
Genau hier setzt unsere „Antarctic Krill Pledge“ Initiative an. Sie ist Teil der Antarctica Defense Kampagne und richtet sich direkt an Unternehmen und Händler. Das Ziel ist klar: Krill soll schrittweise aus Sortimenten entfernt werden, um den Druck auf das antarktische Ökosystem zu reduzieren.
👉 Unternehmen, die diese Verpflichtung unterzeichnen, sagen konkret zu:
- keine neuen Krill-Produkte mehr einzuführen
- bestehende Krill-Produkte schrittweise auszulisten
- bis spätestens 2026 vollständig auszusteigen
- transparent über diesen Schritt zu berichten
Was jede einzelne Person tun kann, ist Teil dieses Mechanismus. Unternehmen gezielt anzuschreiben, nachzufragen, warum Krill noch im Sortiment ist, oder Alternativen einzufordern, erzeugt genau diesen Druck, der Wandel auslöst. Auch das bewusste Kaufverhalten spielt eine zentrale Rolle: Wenn Nachfrage verschwindet, verschwindet langfristig auch das Angebot.
Hier Unternehmen mit vorgefertigter E-Mail anschreiben
Die Kampagne zeigt bereits Wirkung: Erste Einzelhändler und Drogerien haben Krillprodukte aus ihrem Sortiment genommen und damit ein wichtiges Signal gesetzt, dass Veränderung möglich ist, wenn genügend Druck aus der Gesellschaft entsteht.
Erfolge:
Holland & Barrett stoppt Krillverkauf
DM kehrt Krill den Rücken
Rossmann verzichtet auf Krill