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Was hat Thunfisch mit Diamanten und Kakao zu tun? Warum Gabun sein Fischereiabkommen mit der EU beendet hat

Montag, 29 Jun, 2026

An diesem Wochenende überwachten gabunische Fischereibehörden, unterstützt vom Sea-Shepherd-Schiff Age of Union, den letzten europäischen Thunfischfänger, der in gabunischen Gewässern fischen durfte, bevor dieser und seine Schwesterschiffe aus dem zentralafrikanischen Staat ausgewiesen wurden.

 

Kommentar von Peter Hammarstedt

Jahrelang argumentierte Gabun, dass sein 19 Jahre altes Nachhaltiges Fischereipartnerschaftsabkommen (SFPA) mit der Europäischen Union grundlegend unausgewogen sei, da dem Land weniger als 8 % des Werts zurückblieben, den der Thunfisch letztlich auf dem europäischen Markt erzielte.

Nun beendet Gabun das Abkommen.

Ein Großteil der internationalen Medienberichterstattung hat dies als Verlust des Zugangs Europas zu Gabuns Gewässern dargestellt. Aus afrikanischer Perspektive ist es jedoch die Geschichte einer Nation, die sich dafür entscheidet, mehr von dem Wert zu behalten, den ihre eigenen Fischereien erwirtschaften.

Gabuns Entscheidung ist das fischereipolitische Pendant zu einem breiteren Trend in ganz Afrika, bei dem Regierungen zunehmend versuchen, in der Wertschöpfungskette aufzusteigen, indem sie Arbeitsplätze schaffen, lokale Industrien entwickeln und Wertschöpfung im Inland statt im Export ansiedeln.

Im Kern handelt es sich bei SFPAs um Zugang-gegen-Geld-Abkommen. Sie gewähren europäisch geflaggten Schiffen das Recht, in den Gewässern afrikanischer Küsten- und Inselstaaten zu fischen, im Austausch für Zugangsgebühren und finanzielle Beiträge. In vielen Fällen wird der Thunfisch andernorts angelandet und verarbeitet, sodass ein Großteil des wirtschaftlichen Werts dieser Fischereien außerhalb der Länder verbleibt, in deren Gewässern die Fische gefangen wurden.

Im Rahmen des Abkommens mit Gabun zahlte die Europäische Union 2,6 Millionen Euro pro Jahr für den Zugang zu 32.000 Tonnen Thunfisch. Zusätzlich zahlten die europäischen Fischereifahrzeuge weitere 80 Euro pro Tonne.

Selbst bei einem konservativ geschätzten Erstverkaufswert von 70 bis 90 Millionen Euro machen die Gesamtzahlungen weniger als 8 % des Werts des Thunfischs aus – der überwiegende Teil des wirtschaftlichen Nutzens verbleibt bei französischen und spanischen Unternehmen.

Jahrelang bemühte sich Gabun darum, mehr Thunfisch im eigenen Land anlanden und verarbeiten zu lassen. Aufeinanderfolgende Regierungen investierten in den Wiederaufbau der Verarbeitungskapazitäten des Landes und den Ausbau der Hafeninfrastruktur, in der Hoffnung, dass mehr vom Wert der gabunischen Thunfischfischerei im Land bleiben würde. Trotz Zusicherungen, dass die Anlandungen zunehmen würden, kam der Thunfisch nie.

Es überrascht kaum, dass Gabun dem Wort „Partnerschaft" im Akronym SFPA zunehmend skeptisch gegenübersteht.

Auf dem gesamten afrikanischen Kontinent ergreifen Regierungen zunehmend mutige und transformative Maßnahmen, um in der Wertschöpfungskette aufzusteigen.

Namibia und Botswana haben ihre Diamantenindustrien verändert, indem sie sicherstellten, dass mehr Diamanten vor dem Export im eigenen Land geschliffen und poliert werden.

Ghana und das benachbarte Côte d'Ivoire haben jahrzehntelang die inländische Kakaoverarbeitung ausgebaut, anstatt nur Kakaobohnen zu exportieren.

Nigeria stand vor dem Paradox, einer der größten Rohölproduzenten Afrikas zu sein und gleichzeitig einen Großteil seines raffinierten Treibstoffs zu importieren. Der Bau der Dangote-Raffinerie hat dieses Gleichgewicht grundlegend verändert und ermöglicht es Nigeria, mehr eigenes Rohöl im Inland zu raffinieren und höherwertige Erdölprodukte zu exportieren.

Gabun selbst hat den Erfolg dieses Ansatzes bereits unter Beweis gestellt. Im Jahr 2010 verbot das Land den Export von unverarbeitetem Rohholz und verlangte, dass Holz vor dem Export im Inland verarbeitet wird. Nach dem Verbot verdreifachte sich die Beschäftigung im Holzsektor, während sich der Beitrag des Sektors zum BIP vervierfachte.

Verteidiger des SFPA werden argumentieren, dass mit dem Rückzug der europäischen Fischereiflotte weniger stark regulierte Flotten deren Platz einnehmen könnten.

Doch das ist eine falsche Alternative.

Das Ziel ist nicht, eine ausländische Flotte durch eine andere zu ersetzen. Es geht darum, inländische Kapazitäten aufzubauen, die regulatorische Aufsicht zu stärken und sicherzustellen, dass ein größerer Anteil des wirtschaftlichen Werts von Gabuns Thunfisch auch in Gabun verbleibt.

Unterdessen patrouillieren gabunische Behörden im Rahmen von Operation Albacore weiterhin in Partnerschaft mit Sea Shepherd in ihren Gewässern. Seit Beginn dieser Partnerschaft führten die Patrouillen zur Festnahme von 13 Fischereifahrzeugen wegen illegaler Fischerei und senden damit ein klares Signal an alle Betreiber, die versucht sein könnten, die durch den Rückzug der europäischen Flotte entstandene Lücke zu füllen.

Als Sea Shepherd 2016 begann, die gabunische Regierung bei Inspektionen europäischer Thunfisch-Ringwadenfänger auf See zu unterstützen, bemerkte ein französischer Kapitän, dass er seit 17 Jahren in gabunischen Gewässern fische und noch nie an Bord kontrolliert oder inspiziert worden sei.

Hätten europäische Schiffe damals schon ihren Fang in gabunischen Häfen anlanden müssen, hätte jede Anlandung auch dort eine Gelegenheit zur Inspektion geboten.

Nun besteht die Chance, dass sich Gabuns Thunfischbestände von Jahren intensiven Fischereidrucks erholen können. Eine konsequente Umweltpolitik in Kombination mit dauerhafter Durchsetzungspräsenz kann die Fülle in Gabuns Gewässern wiederherstellen – zum Nutzen sowohl der Menschen Gabuns als auch eines florierenden marinen Ökosystems.

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