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Die OCEAN WARRIOR inmitten eines Eisbergfeldes. Foto: Simon AgerDie Sonne scheint, und es fühlt sich gut an, an Deck zu stehen und sich in ihrer Wärme zu sonnen. Um Treibstoff zu sparen, und somit unseren Kampf noch für einige Tage zu verlängern, haben wir die Schiffsheizung abgestellt und treiben bei Nacht auf schaukelnden, blauen Wogen. Es ist ein wenig wärmer draußen in der Sonne an Deck als in meiner Kabine. Uns umzingeln in alle Richtungen Eisberge, groß wie Häuserblöcke, gekrönt von Türmen und Spitzen. Einige sehen aus wie römische Ruinen, andere wie Snoopy, der auf seinem Rücken auf dem ruhigen, kalten Ozean dahindriftet.

Wir sehen riesige Fontänen in der Ferne, sie kommen dem Schiff näher und näher. Schließlich befinden wir uns inmitten eines Kreises aus Finnwalen, die Krillschwärme für ihr Abendessen zusammentreiben. Wir beobachten sie, wie sie wenige Meter neben uns hergleiten. Ihre weißen Bäuche sind deutlich unter Wasser zu erkennen. Ihre kräftigen Fontänen unterscheiden sich voneinander; diese ist niedriger, jene hat ein leises Pfeifen – ein Hauch von Asthma vielleicht? Ob Wale Asthma kriegen?

Ein seltener Finnwal im Südpolarmeer. Foto: Simon Ager
Die früheren Walfänger waren frustriert von den Finnwalen, denn sie leben nicht in Küstennähe oder großen Gruppen, und sie sind schnell. Die anfängliche Technik des Walfangs war ausreichend, um beinahe Glatt-, Buckel- und Pottwal auszurotten, aber nicht den „Windhund des Meeres“. Schlussendlich jedoch wurden dampf- und dieselbetriebene Harpunenschiffe erfunden, und Finnwale schlossen sich ihrer Verwandtschaft auf der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation (IUCN) an. Die Menschheit findet immer einen Weg; wir besitzen das Talent, unsere Zerstörungsmaschinerie immer wieder zu verfeinern.

Fünf Seemeilen von uns entfernt befindet sich eines der am höchsten entwickelten Jagd-/Tötungsschiffe auf See, die Spitze des Genozids an den großen Meeressäugern: die YUSHIN MARU 2. Sie, zusammen mit ihren Schwesternschiffen YUSHIN MARU und der YUSHIN MARU 3, machen mit Abstand die modernste Waltötungsflotte der Welt aus. Mit dem Bau der YUSHIN MARU 3 im Jahre 2007 sind dies nicht die romantisierten Walfangschiffe aus Moby Dick, es sind teure, hochtechnisierte und sehr schnelle Massenvernichtungswaffen gegen die Natur.

Mit dieser Maschine und ihrer Harpune, die den alles sagenden Namen „One Shot“ trägt, könnte man problemlos Finnwale fangen und töten. Durch den Druck der Öffentlichkeit, vor allem aufgrund der unnachgiebigen Anti-Walfangkampagnen von Sea Shepherd, befinden sich Finnwale erfreulicherweise nicht auf der diesjährigen Abschussliste. JARPA-II, der Walfangplan, den Japan bis vor zwei Saisons eingerichtet hatte, gab 50 Finnwale, 50 Buckelwale und 935 arktische Zwergwale zur Abschlachtung frei. Der Ersatz dieses Plans, NEWREP-A, enthält eine Quote von nur 333 Zwergwalen. Demnach starteten wir in dieser Saison unseren Kampf mit 702 bereits von der Öffentlichkeit geretteten Walen.

Die YUSHIN MARU 2 vor einem Eisberg. Foto: Simon Ager
Der andere, einfache Erfolg, den wir gerade verbuchen können, ist, dass diese Millionen Dollar teure YUSHIN MARU 2 und ihre wohlbezahlte Crew einzig und allein unsere Babysitter sind. Sie sind immer in der Nähe, während wir die Landschaft der Antarktis genießen. Anstatt ihre stark reduzierte Tötungsquote verfolgen zu können, haben sie die Aufgabe, uns im Auge zu behalten und zu versuchen, uns vom Aufspüren und Behindern des übrig gebliebenen Harpunenschiffs YUSHIN MARU und des schwimmenden Schlachthauses NISSHIN MARU abzuhalten. Die YUSHIN MARU 3 verfolgte die STEVE IRWIN tausende Meilen entfernt. Zurück bleibt ein Tötungsschiff von dreien, um die diesjährige Walfangquote alleine zu erreichen.

Eine weitere Bestimmung des NEWREP-A ist, dass die Walfangflotte sich nicht verteidigt oder kämpft, wenn sie von Sea Shepherd konfrontiert wird, sondern den Walfang unterlässt und abrückt. Ich bin mir sicher, die Crew der YUSHIN MARU 2 ist momentan nicht allzu glücklich mit diesen Einschränkungen. Es fühlt sich komisch an, die Motoren abzustellen und mit einer YUSHIN in der Nähe dahinzutreiben und sich nicht um mögliche, nächtliche Angriffe zu sorgen, wie wir es in der Vergangenheit erlebt haben.

Es läuft in diesem Jahr nicht gut für die Walfangflotte. Sie schauen sicherlich voller Sehnsucht zurück auf letztes Jahr, in dem sie ungehindert von Sea Shepherd jagen konnten und in Rekordzeit wieder zu Hause waren. Nicht in diesem Jahr. Trotz der reduzierten Quote und einem doppelt so großen Fanggebiet haben sie die Anzahl, die sie brauchen, um die Tötungssaison zu beenden, nicht erreicht. Wir haben sie schikaniert und belästigt, sie aus erstklassigen Walfanggebieten vertrieben, sie auf Trab gehalten. Wir haben diese kleinere Quote zu einem schwierigen Unterfangen gemacht.

Bootsmann Antoine und Chefkoch Marc halten Ausschau nach der Walfangflotte. Foto: Simon Ager
Wir sind nun seit 80 Tagen auf See mit der OCEAN WARRIOR, und wenn wir anlegen, ist es gut möglich. dass OPERATION NEMESIS eine der längsten Anti-Walfangkampagnen in der Geschichte von Sea Shepherd sein wird. Gemessen an der Anzahl der getöteten Wale wird OPERATION NEMESIS auch eine der erfolgreichsten Kampagnen sein. Der diesjährige Kampf neigt sich dem Ende zu. Der Winter naht und Sea Shepherd, die Walfänger und sogar die Buckel- und Finnwale werden die Antarktis bis zum nächsten Jahr verlassen. Es war ein hartes Jahr, die Spielregeln haben sich geändert, aber wir haben viel gelernt und werden all diese Lektionen nächstes Jahr wieder anwenden können. Ich weiß, dass wir die kontinuierliche Unterstützung unserer engagierten Spender und Freiwilligen haben, die uns erlaubt, hier unten in der Antarktis weiter für das Leben der Wale zu kämpfen.




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